11.Lobwort "Gut"- Futter

Nächste Woche wird es ernst, wir können es wirklich kaum noch abwarten, und unsere Gioia mia Cleopatra zieht bei uns ein. Da ich Cleo das erste 1x1 mit Futter beibringe, möchte ich nun auf dieses wichtige Kapitel "Lobwort - Futter" eingehen.



Ziel: Mithilfe eines konditionierten Lobwortes kann dem Hund jederzeit vermittelt werden, dass sein Verhalten erwünscht ist. Wird das Lobwort immer in dem Moment einer erwünschten Handlung genannt, lernt dein Hund: „Das war richtig!“ Das Selbstbewusstsein und das Gefühl der Selbstwirksamkeit werden gestärkt. Überlege dir dein eigenes Lobwort: „Super“, „Gut“, „Fein“, usw. Ich verwende für meine Hunde das Lobwort „Gut“. Daher nutze ich dieses Wort auch in dieser Serie „der zuverlässige Familienhund“ bei meinen Erläuterungen. Für dich gilt natürlich dein eigenes Lobwort.


1. Schritt – Konditionierung Lobwort und Futter: Du nennst das Lobwort und gibst deinem Hund gleich darauf ein Futterstück. Das wiederholst du einige Male.

2. Schritt – Lobwort, dann erst das Futterstück: Immer wenn dein Hund etwas richtig gemacht hat, nennst du das Lobwort und holst dann erst das Futter aus der Tasche. Achte darauf, dass dein Hund das Futter sanft aus deiner Hand nimmt. Nenne nach jeder richtigen Handlung das Lobwort. Das Futter hingegen erhält dein Hund im Laufe der Zeit, nach der Ausführung bekannter Signale, nur noch unregelmäßig und unvorhersehbar. Diese intermittierende Verstärkung steigert die Ausführung erwünschter Verhaltensweisen. Zudem soll dein Hund schließlich auch ohne Futter auf dich hören. Eine Ausnahme stellen allerdings für den Hund stressige Situationen dar. Hier dürfen wieder Belohnungen regnen.


Der stürmische Hund: Versucht dein Hund das Futter in deiner Hand sehr stürmisch zu ergreifen, halte deinem Hund eine mit dem Futter versehene Faust entgegen und verharre still. Er kann daran knappern und kratzen wollen. Ziehe die Hand in diesem Moment nicht weg. Hunde neigen dazu, kopflos der weggezogenen Hand zu folgen und danach zu schnappen. Drücke die Hand lieber in Richtung deines Hundes. Sobald er Abstand von einer Hand hält, folgt das Lobwort und anschließend wird das Futter freigegeben.


Grundregeln des Lobwortes:

(1) Nach dem Lobwort folgt anfangs immer ein Futterstück. Diese werden mit zunehmendem Verständnis der Übung abgebaut.

(2) Das richtige Timing ist wichtig. Du nennst das Lobwort genau in dem Moment, in dem dein Hund die erwünschte Verhaltensweise zeigt. Das Futter wird erst nach dem Lob angeboten.

(3) Streicheleinheiten oder ein ausgiebiges Spiel folgen erst am Ende der Übungseinheit – ansonsten wird der Hund in seiner Konzentrationsphase gestört. Achte einmal darauf. Du wirst feststellen, dass dein Hund in Konzentrationsphasen deiner Hand ausweicht.


Anmerkung: Ein Lobwort beendet eine Übung und wirkt hier wie ein Auflösesignal. Das bedeutet, dein Hund kann nach dem Lobwort die Übung als beendet ansehen. Deutlich wird dies an folgendem Beispiel: Du führst deinen Hund an einem fremden Hund vorbei. Du lobst deinen vierbeinigen Freund, noch bevor du den fremden Hund passiert hast. Plötzlich beginnt dein Hund den Fremden anzugiften. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass das Lob die Übung beendet hat.


Locken bzw. Bestechen

Solltest du in bestimmten Situationen das Gefühl haben, nicht mehr Herr der Lage zu sein, kann das Bestechen bzw. Locken deines Hundes mit Futter oder einem Spielzeug sehr nützlich sein. Halte das Lockmittel direkt vor die Hundeschnauze. So lenkst du deinen Hund von dem Stressauslöser ab. Zudem kann das Locken das Einstudieren neuer Übungen gelegentlich erleichtern. Allerdings ist das Locken keine dauerhafte Lösung, da dein Hund nicht lernt, was er alternativ zu einem unerwünschten Verhalten tun soll bzw. was für ein Kunststück wir mit ihm einstudieren. Zu Beginn könnte der Eindruck erweckt werden, als würde dein Hund verstehen, was er da macht. In Wirklichkeit handelt er nur aufgrund des Leckerlis oder Spielzeugs in deiner Hand. Das Locken mit dem Futter oder Spielzeug sollte sehr schnell abgebaut werden. Aus diesem Grund sind das Lobwort und die intermittierende Verstärkung wichtig. In Angstsituationen solltest du deinen Hund nicht zum Angstauslöser locken, denn Angst hat einen Sinn und ist Lebenserhaltend. Darauf werde ich in einem anderen Kapitel („Angstmacher bewältigen“) eingehen.


1. Beispiel - Leinenführigkeit: (a) Du lockst deinen Hund mit einem Futterstück in der Hand in die erwünschte Position neben dich. (b) Du lockst deinen Hund ohne Futter in der Hand in die erwünschte Position. Das Lobwort ertönt und das Futter wird angeboten. (c) Du lockst deinen Hund ohne Leckerli in die erwünschte Position. Sobald er in der richtigen Position ist, führst du das Signalwort ein. Nun folgt das Lobwort und nur noch selten ein Futterstück.


2. Beispiel – fremder Hund in Sicht: Nachdem dein Hund auf weite Entfernung einen fremden Hund gesehen hat, lockst du ihn mit einem Spielzeug oder der Futterhand in einem großen Bogen an diesem vorbei und lenkst ihn ab. Später sollte an die Stelle des Lockens ein Alternativverhalten rücken, zum Beispiel ein „Schau“, „Sitz“ oder „Fuß“. Ein positiv aufgebautes Alternativverhalten gibt deinem Hund in Stresssituationen Sicherheit.


Ein wichtiges Wort zu den Leckerlis

Ich möchte dir noch einige Gesichtspunkte bezüglich der Belohnungen erläutern.

Futter ausschleichen: Der Hund soll auf dich hören, dir folgen und vertrauen. Er soll nicht aufgrund des Futters den Kontakt zu dir suchen. Um diesem Verhalten vorzubeugen, solltest du das Futter unbedingt ausschleichen. Das Ausschleichen geht folgendermaßen vor sich:

1. Dein Hund erhält bei der Vermittlung einer neuen Übung oder in für ihn unbekannten Situationen nach jedem Lobwort ein Futterstück. Ziehe das Futter von der täglichen Futterration ab, damit dein vierbeiniger Freund schlank bleibt. Ich habe ein Messbecher mit der täglichen Tagesration auf dem Kühlschrank stehen. Was am Ende des Tages übrigbleibt erhält der Hund am Abend.

2. Dein Hund hat eine Übung verinnerlicht oder findet sich in einer neuen Situation gut zurecht. Nun erhält er nur noch unvorhersehbar ein Leckerli, wobei das Lobwort stets im richtigen Moment ertönen sollte. Achte darauf, dass deine Hand nicht vor dem Lobwort in die Futtertasche rutscht - Hunde sind sehr gute Beobachter!

3. Ist eine Übung gefestigt oder bewältigt dein Hund eine Situation problemlos, so ertönt nur noch das Lobwort. Mit zunehmendem Verständnis einer Übung werden die Futterstücke weniger, wobei das Lobwort immer ertönt. Jede Erhöhung des Schwierigkeitsgrades einer Übung und jede Unsicherheit deines Hundes in bestimmten Situationen lassen nach dem Lobwort wieder ein Futterstück folgen. Sei diszipliniert und gebe deinem Hund dieses wirklich erst nach dem Lobwort. Futter hilft dir nicht, sich gegen deinen Hund durchzusetzen. Je nach Charakter neigt dein Vierbeiner dazu, seine Grenzen auszutesten. Ihn dann mit Futter aus der Situation herauszulocken kann kontraproduktiv sein. Schließlich will er ja wissen, wo seine Grenzen liegen. Weiterhin solltest du deinem Hund nach dem Hörzeichen „Hier“ nicht mit einem Futterstück zu sich locken – baue die Übung dann lieber erneut auf.


Generalisierung

Generalisierung bedeutet so viel wie Verallgemeinerung. Der Hund muss erst die Fähigkeit erlernen, das Gelernte in einer anderen Situation umzusetzen. Für das Tier ist es dabei schon eine Herausforderung, dem Signal „Sitz“ Folge zu leisten, während du hinter ihm stehst und nicht, wie gewohnt, vor ihm. Hunde lernen ortsgebunden. Auch wenn sie zu Hause die Signale „Sitz“, „Platz“ oder „Apport“ hervorragend beherrschen, passiert es häufig, dass die Hunde dies draußen im Freien plötzlich nicht mehr können. Dann ärgern sich die Menschen oft: „Aber der kann das doch, der muss das können…“ Es wird unnötig Druck auf den Hund ausgeübt. Frust stellt sich ein. Grund ist, wie gesagt, das ortsgebundene Lernen des Hundes. Es fehlt die Generalisierung der Hör- oder Sichtzeichen. Bitte beobachte deinen Hund aufmerksam. Zeigt er Stresssymptome, dann beharre nicht auf das gegebene Signal. Schraube die Erziehung ein paar Schritte zurück und übe nochmals in reizärmerer Umgebung. Je mehr Wiederholungen der Hund erfährt, umso besser wird er ein Signal auch in für ihn herausfordernden Situationen ausführen können. Etwas anderes ist es, wenn dein Hund seinen Dickkopf durchsetzen möchte und die Übung „aus Prinzip“ verweigert. Dann solltest du das Signal hartnäckig einfordern. Um die jeweilige Stimmung des Hundes richtig deuten zu können, ist das Verständnis über die nonverbale Kommunikation des Hundes von enormer Bedeutung. Auf die Körpersprache des Hundes werde ich zu einem anderen Zeitpunkt der Reihe „der zuverlässige Familienhund“ eingehen.


Lernverhalten: Denke daran, wie du im Englischunterricht zum Teil Wörter gelernt hast. Die Lehrerin nennt die Worte „Sit down“, während sie sich auf einen Stuhl setzt. Sie lässt dies die Schüler mitmachen. Die Handlung des Hinsetzens erhält eine Bedeutung – auch dein Hund lernt so.