4. Welcher Hundetyp passt in meine Familie?

Aus dem selbstkritischen Fragebogen, siehe Kapitel 3, ergibt sich schon eine Antwort, welcher Hundetyp in deine Familie passen könnte. Jede Rasse hat seine eigenen Ansprüche, die erfüllt werden müssen und an die du im Gegenzug gewisse Erwartungen stellen kannst. Welche Rasse zu dir passen könnte, kannst du im Internet herausfinden. Das World Wide Web ist voll von Rassebeschreibungen nach den FCI-Standards. Hast du dich für die eine oder andere Rasse entschieden, bietet es sich an mit einem Hundetrainer über diese Wahl zu sprechen. Ich stehe dir da gerne für Fragen zur Verfügung. Dein ausgefüllter Fragebogen kann dem Hundetrainer Einblicke in deinen einzigartigen Alltag und deine individuelle Lebensweise bieten. Eine andere Möglichkeit ist, dass du verschiedene Züchter kontaktierst. Da es so viele Möglichkeiten der Hundebeschaffung gibt, so viele Rassen und Mischungen, möchte ich dieses Thema nur ganz kurz und oberflächlich anschneiden. Nimm dir Zeit mit der Suche nach dem geeigneten Hund. Es gibt unter Züchtern, Tierschutzorganisationen und Hobby-Züchtern immer wieder schwarze Schafe. Die Hundezucht unterliegt einem ständigen gesellschaftlichen Wandel, welcher nicht nur vom Wohlstand abhängig ist, sondern auch von den Bedürfnissen nach Zuneigung, Halt und Struktur (siehe aktuelle Pandemie). Lass dich bitte nicht durch deinen schnellen Wunsch leiten, einen Hund zu bekommen. Nimm dir für die Suche wirklich Zeit! Und wenn es ein Jahr dauert. Die richtige Wahl des geeigneten Hundes wird dich langfristig glücklich machen.

Egal für welchen Typ Hund du dich entscheidest. JEDER Hund benötigt Erziehung! Hast du allerdings einen von Natur aus eher geselligen Hund, wird er in der Regel ohne kontinuierliche Leitung nicht dazu neigen gefährlich zu werden. Ganz plakativ: Ein Labrador wird im Sommer über die Handtücher der Badegäste am See rennen oder Leute anspringen. Ein Terrier oder Schäferhund hingegen, kann ohne Leitung eher dazu neigen seine genetisch fixierte Endhandlung, das Beißen, auszuüben. Sei dir bewusst, was du dir ins Haus holst. Es muss zu dir passen!


Reinrassiger Hund nach FCI Standards: Von einigen Rassen gibt es mittlerweile Arbeitslinien und Showlinien. Allerdings hat das keine allgemeine Aussagekraft. Sehr einfach umschrieben: Show-Linien sind z.T. eher selbständig, ruhiger, verlieren z.T. ihren ursprünglichen Charakter und ihre körperliche Fitness. Der Körper des Labis ist zum Beispiel gedrungener und kräftiger, der Schädel breiter, das weiche Maul geht zum Teil verloren (er beißt fest in sein Spielzeug). Der Aussie hat viel Fell und ist auch hier massiger. Arbeitslinien können hingegen extrem in ihren Eigenschaften sein. Nimm dir Zeit beim Finden der passenden Zuchtlinie! Schau dir die Elterntiere genau an, die gesund sein sollten. Die genetische Vielfalt geht durch die reinrassige Zucht oft verloren.


Gezielte Verpaarungen verschiedener Rassen. Hier sollte darauf geachtet werden, dass ähnliches mit ähnlichem verpaart wird. Mein Hund Cash ist ein Husky-Border-Mix. Die Rassen können unterschiedlicher nicht sein. Es leben zwei Seelen in seiner Brust, was ihn oft sehr zerrissen erscheinen lässt. Er hat eine super Kinderstube erfahren und ist sehr geduldig mit meinen Kindern. Als Familienhund würde ich eine solch extreme Verpaarung dennoch nicht empfehlen. Das gleiche ist mit der Verpaarung von Schäferhund und Herdenschutzhund, eine gefährliche Kombination. Ideal sind jeweils Retriever oder Hütehunderassen untereinander, d.h. jeweils eine Rassengruppe die ähnliche Eigenschaften aufweist. Es sollte ähnliches mit ähnlichem verpaart werden. In Mode sind alle möglichen Doodle, wie zum Beispiel der Labradoodel, Goldendoodel. Die F1 Generation zwischen Pudel und Retriever ist aufgrund ihrer genetischen Vielfalt sehr widerstandsfähig. Schau dir immer beide Rassen an. Denn nicht nur die erwünschten Seiten können bei einer Verpaarung durchkommen.


Tierheimhunde: Tierpfleger können die Hunde sehr gut einschätzen und die jeweiligen Bedürfnisse des Tieres beschreiben. Es gibt die Möglichkeit den Hund richtig kennenzulernen und vorher ein paar Mal spazieren zu führen. Da Tierheimhunde z.T. schon älter sind und die Pfleger die Hunde gut kennen, kann auch hier ein passender Familienhund gefunden werden. Tierheime lassen die zukünftigen Besitzer nicht alleine.


Ungewollte Würfe: Es gibt immer mal wieder Würfe von Mischlingen, die nicht geplant sind. Sind die Eltern bekannt, wachsen die Welpen unter idealen Bedingungen auf, kann auch hier ein zuverlässiger Hund herausspringen. Mein erster Hund Oskar kam aus einem unerwünschten Wurf. Die Hündin kam trächtig aus Frankreich nach Deutschland. Sie war vom Wesen her astrein, die Aufzucht der Welpen spitze. Einen zuverlässigeren Hund für eine Familie hätte es kaum geben können.


Auslandshunde: Auslandshunde in die Familie zu holen sehe ich sehr kritisch. Meist gibt es nicht die Möglichkeit den Hund vorher kennenzulernen. Die Beschreibung des Hundes ist sehr oft beschönigt, die Elterntiere unbekannt. Der Hund entpuppt seinen Charakter, seine Eigenschaften, erst nach der Eingewöhnung, die nach ein paar Wochen stattgefunden hat. Es wäre schade, wenn du dir einen Hund wünschst, der mit dir etwas unternehmen soll und stattdessen sehr selbständig ist. Auch weisen Auslandshunde vermehrt Krankheiten auf, was ich im Zusammenleben mit Kindern nicht optimal finde.