8. Was darf mein Hund auf dem Spaziergang?

Da der Hund ein sehr soziales Wesen ist und in Familienverbänden lebt, sucht er ständigen Kontakt zu seinen Bezugspersonen und orientiert sich an diesen. Reagiert der Mensch während des Spaziergangs auf die Blicke seines Hundes, so lernt dieser sich an seinem Menschen zu orientieren und auf ihn zu verlassen. Gib deinem vierbeinigen Freund deshalb Feedback auf seine Blicke, beispielsweise indem du ihn anlächelst, zunickst, das Lobwort nennst, ein Leckerli fütterst, über den Rücken streichelst oder bei einer Kreuzung die Richtung mit einem Handzeichen vorgibst. Durch das Beobachten deines Hundes lernst du, diesen zu lesen und zu verstehen. Mit ein wenig Routine kannst du so zum Beispiel erkennen, ob dein Hund ein Reh erspäht, ob ein Spiel zwischen Hunden in einen (seltenen) Ernstkampf übergeht oder ob er einen Jogger verfolgen möchte. Durch das Beobachten kannst du deinen Hund rechtzeitig von unerwünschten Handlungsweisen abhalten. Im richtigen Moment gibst du dann ein zuvor positiv und schrittweise aufgebautes Abbruchsignal wie zum Beispiel „Tabu“, „Platz“, „Hier“, „Schau“ oder Ähnliches. Du solltest deinem neuen vierbeinigen Freund vermitteln, was er darf beziehungsweise nicht darf und was du in bestimmten Situationen von ihm erwartest. Diese Phase des Zusammenlebens kann für dich und deinen Hund sehr anstrengend sein. Mit der Zeit werden Regeln zu Ritualen, über die nicht mehr groß nachgedacht werden müssen. Routine kehrt ein und Spaziergänge werden entspannter. Nach einem Jahr der Anstrengung, ersparst du dir für den Rest des Hundelebens viel Stress. Im ersten Jahr ist oft unmöglich mit Freunden spazieren zu gehen und sich zu unterhalten. Ist die Aufmerksamkeit nicht ganz beim Hund, wird dieser dies nutzen und "Unfug" treiben.


Die Dauer des Spaziergangs richtet sich nach dem Alter und der psychischen und physischen Reife deines Hundes. Gehe mit einem Vierbeiner gemeinsam spazieren, d.h. lenke ihn. Du solltest deinen Hund allerdings nicht permanent unterhalten oder beschäftigen. Dein in sich ruhender Hund kann so zu einem aufgedrehten Irrwisch avancieren. Lerne deinen Hund stattdessen kennen. Entwickle ein Gefühl dafür, ab wann dein Hund Beschäftigung benötigt und Unfug im Sinn hat. Erste Anzeichen für Langeweile sind oftmals der Beginn des Jagens, das Buddeln von Mäuselöchern oder weites Entfernen von der Bezugsperson und das Gehen seines eigenen Weges. Sobald der Hund seine Ohren nicht mehr regelmäßig in deine Richtung dreht, dich nicht mehr anschaut, ist dringend Beschäftigung angeraten. Aber Achtung: Unaufmerksamkeit des Hundes, das augenscheinliche Ignorieren seines Menschen, kann auch ein Zeichen von Überforderung sein!



Der Spaziergang ist ein gemeinsames Abenteuer - Zu Hause ist größtenteils Pause


Was darf mein Hund auf dem Spaziergang?

Mache dir klar, was dein Hund auf dem Spaziergang darf oder nicht darf und setz dies vorausschauend und konsequent um. Im Folgenden werden ein paar Anregungen über Spaziergang-Regeln aufgeführt. Diese solltest du unbedingt an deine Bedürfnisse sowie die deines Hundes anpassen. Im Laufe dieser Reihe "der zuverlässige Familienhund", werden all die hier aufgelisteten Punkte näher erläutert und gegebenenfalls mit einem Video verdeutlicht.


Leckerli: Eine Futterportion wird auf dem Spaziergang erarbeitet. Nach dem EINEN Lobwort folgt das Leckerli, bestehend aus dem Hundefutter. In besonderen Fällen kann auch eine super Belohnung, in Form von Käse, Pfannkuchen, Hundeleberwurst…, eingesetzt werden.


Leinenführigkeit: Sobald du das Haus verlässt, hat dein Hund im Straßenverkehr in einem Bärengang, d.h. entspannt, neben dir (Kopf des Hundes auf Höhe deines Beines) zu laufen. Um dies verlangen zu können ist es wichtig, dass der Hund zuvor sein Geschäft verrichten kann. Die Einführung des Signals für das gezielte Urinieren an er Leine („Locus“) kann dabei helfen. Sobald der Hund frei laufen darf, ist es sehr wichtig, dass er nun markieren und sich mit seiner Geruchswelt auseinandersetzen kann.


Hauptwege: Der Hund bleibt, genau wie du, während des Spaziergangs auf den Hauptwegen. Das bedeutet: Er läuft nicht im Alleingang in die Reben, den Wald, oder die Wiesen – es sei denn, ihr schlagt gemeinsam mit ihm eine Route abseits des Weges ein. Manche Hunde verlassen allerdings die Wege, um ihr großes Geschäft zu verrichten. Das ist natürlich völlig in Ordnung und lobenswert.


Blickkontakt: Jeder Blickkontakt wird erwidert (Nicken, Lobwort...)


Hier: Der Hund wird immer, sobald du einen Jogger, Fußgänger, Hund o.ä. erblickst, zu sich gerufen und anschließend gelobt. Vorausschauendes Spazierengehen ist hier das Stichwort. Das Hörzeichen „Hier“ muss auch ohne Hinweis auf ein sich näherndes Objekt regelmäßig spielerisch geübt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu einem Warnsignal wird.

Ableinen: Dein Hund darf erst nach einem Blickkontakt und dem „Lauf“- Signal frei laufen.


Jagdverhalten: Mäusebuddeln und Jagen sind verboten. Hierbei benötigt der Hund stets eine Alternativbeschäftigung.


Handel je nach Situation gegenteilig zu deinem Hund: Das soll heißen: Wenn der Hund nicht kommt – weglaufen. Bringt der Hund sein Spielzeug nicht zu dir – rückwärts bewegen. Stellt sich ein Hund taub oder ist überfordert, warte kurz ab und hole ihn dann aus der Situation heraus. In diesem Falle gehe, gemeinsam mit deinem Hund, einer druckabbauenden Beschäftigung nach. Fordre das gegebene Signal anschließend im entspannten Zustand erneut ein.


Fremde Hunde: An der Leine wird nicht mit anderen Hunden gespielt. Gespielt wird erst auf das Signal „Lauf“. Mein Hund läuft NICHT zu fremden Hunden hin!!!


Kurven/ Kreuzungen: Den Hund vor uneinsichtigen Kurven zurückrufen.


Distanz: Der Hund darf eine gewisse Entfernung nicht überschreiten – er muss im Einwirkungsradius bleiben.


Spielkultur etablieren: Das Spiel mit dem Hund bedeutet nicht ihm den Ball zu werfen. Gerade im Gegenteil. Hetzt der Hund regelmäßig dem Ball hinterher erhältst du einen Balljunkie mit kaputten Gelenken. Beobachte einmal zwei Hunde, die mit einem Spielseil spielen. Es ist ein hin und her, ein Abbau von Spannungen und spielerisches klarstellen, wer wo steht. Zudem können Suchübungen mithilfe des Apportels eine super Beschäftigung sein.


Entspannungstraining: Den Hund im Wald, auf dem Feld in der Stadt streicheln und in einen entspannten Zustand bringen.


Abbruchsignal: „Nein“, was dann. Der Hund möchte zu einem fremden Hund: „Nein“… „Hier“/ „Sitz“


Herausfordernde Situationen bejahen: Es liegt eine Pizza auf dem Boden. Super! Hier kannst du üben, dass dein Hund die Pizza ignoriert und stattdessen etwas Leckeres aus deiner Hand erhält. Kühe stehen auf der Weide, dein Hund fürchtet sich. Super! Nutze diese Situationen um positiv daran zu arbeiten.


Mit Hunden zu arbeiten macht unfassbar viel Spaß. Sie achten sehr genau auf ihre Menschen und stellen sich auf diese ein. Sie benötigen deshalb stets den Kontakt zu uns und unser regelmäßiges Feedback.